Frauenpower & familäre Atmosphäre
Gutes Betriebsklima und flexible Arbeitszeiten halten Mitarbeiter bei der Stange
Gegen die Bezeichnung „putzen“ ist Brigitte Majer allergisch. 
„Geputzt wird daheim. Wir reinigen“, stellt sie klar. „Wir“, das sind 300 vorwiegend weibliche Mitarbeiter, die 365 Tage im Jahr ausrücken, um die unterschiedlichsten Gebäude in Schuss zu halten .Die Crew ist für die Sauberkeit in den ihnen zugeteilten Objekten verantwortlich. Der Bogen spannt sich von kleinen Betrieben über Schulen und Banken bis zu großen Industrieunternehmen. „Unsere Mitarbeiterinnen haben eine große Verantwortung“, sagt Frau Majer. So habe etwa für die meisten Geld-institute nur der Direktor einen Schlüssel – und eben die Reinigungsdame. Ein Team von Objektbetreuerinnen ist für die Organisation und den reibungslosen Ablauf zuständig. Sie sind verantwortlich für Einschulungen, Vertretungen, Reinigungsmittel etc. „Bei uns gibt es keinen Betriebsurlaub“, sagt die Personalerin. „Wir sind ein Rundum- Betrieb, der sogar im Sommer bis zu 60 Mitarbeiter zusätzlich einstellen muss um die Anfragen zu decken. “ Verlässliche, saubere und freundliche Kräfte zu finden, die die deutsche Sprache beherrschen, ist schwierig. Auch gegen ein schlechtes Image kämpft man an. Vielfach werde „Putzen gehen“ als letzter Ausweg in finanziellen Nöten gesehen, beschreibt Frau Majer die Situation. Dabei sei der Reinigungsberuf ein durchaus stressiger Job. Viel läuft über Rekrutierungen per interner Empfehlung. Damit hat man gute Erfahrungen gemacht. Eine „schwarze Liste“ gibt es aber auch: eine Aufstellung mit Namen und Clans, die nicht mehr ins Haus kommen. Die Arbeit der dreifachen Mutter ist eine diffizile. Weil ein Großteil der Belegschaft aus der Türkei stammt und somit eine andere Kultur in den Betrieb bringt, hat Brigitte Majer auch mit dortigen Sitten und Gebräuchen zu kämpfen. Dieser Umstand bringt es mit sich, dass sie oft „Sozialarbeit leistet“. Die Frauen kommen mit ihren Sorgen und Nöten zu ihr. „Wir helfen, wo wir können“, verspricht Frau Majer, „aber man muss sich bei manchen wirklich tragischen Geschichten abgrenzen.“ Ihrem Team will sie eine familiäre Atmosphäre vermitteln und auf den guten Ruf der Personalführung aufbauen. Frau Majer: „Bei uns sind die Frauen keine Nummern. Ich kenne fast zu jedem Gesicht eine Geschichte.“ Jeden Donnerstag findet eine Besprechung in Form eines Frühstücks mit den Objekt -betreuerinnen im Betrieb statt. Für eine gesunde Kost sorgt Brigitte Majer selbst. Auch an Geburtstagen wird reagiert und zu Weihnachten backt die Chefin für das ganze Team den inzwischen schon heiß begehrten Weihnachtsstollen. Manche Mitarbeiterinnen sind schon über zehn Jahre bei der Firma. Sie schätzen die flexiblen Arbeitszeiten, die auch ein Familienleben ermöglichen. „Ich verstehe die Frauen und ihre Bedürfnisse“, sagt die 53-jährige Personalleiterin, die neben ihrer Arbeit einen Fünf-Personen- Haushalt zu versorgen hat. Das gute Klima danken die Mitarbeiterinnen immer wieder mit kleinen Gesten, die ihre Chefin rühren. Was das Schönste ist, an ihrem Job? „Da gibt es so viel“, sagt sie und strahlt.




